Over The Border

Blue Rose Records - 2006

Tracklist

  1. Over The Border
  2. Walking Home
  3. The Only Love I Can Get
  4. She's The One
  5. The Triangle Fire
  6. Dino's Song
  7. The New York Volunteer
  8. He's Waiting
  9. Let It Go
  10. Guantanamera

Dave Kincaid (voc, g, banjo, mandolin), Ernie Mendillo (b, voc), Frank Funaro (dr), Andy Burton (hammond organ), Jerry O'Sullivan (uilleann pipes and whistle), Dennis Diken (dr on 'She's The One' and 'He's Waiting'), Simon Kirke (dr on 'The Only Love I Can Get')
Produced and Arranged by Dave Kincaid

Reviews

BREMER TAGESZEITUNG WESER_KURIER vom 30.12.2006

Wirklich nichts als Rock’n’Roll

BREMEN. Die Gattungsbezeichnung "Rock" ohne irgendwelche Zusätze ist so gut wie ausgestorben: Es gibt zwar Gothic-, Punk- oder Post-Rock, aber ohne diese Erweiterungen fühlt sich der Begriff mittlerweile nackt an. Assoziationen tauchen auf aus fernen Zeiten, in denen dies Genre für jugendliche Rebellion, Ehrlichkeit und wilde Energie stand. Aber trotzdem: Die Brandos aus New York machen genau das: Rock - und das seit über zwanzig Jahren. Nach mehrjähriger Abstinenz kamen sie nun auch wieder ins Modernes; mit im Gepäck hatten sie ihr gerade erschienenes neues Album "Over The Border" - das erste seit acht Jahren. Es wäre jetzt unangemessen zu vermelden, dass die neue Scheibe keine Überraschungen enthält. Denn im Vergleich zu anderen Bands ist die stilistische Bandbreite des Quartetts wesentlich größer: Sie beherrschen treibende Songs in klassischer Rock'n’Roll-Form, mögen satte Bluesrock-Riffs, aber überzeugen auch durch gesanglich schön gesetzte mehrstimmige Balladen, bei denen man an die legendären Byrds oder Buffalo Springfield denken möchte. Uneingeschränkter Mittelpunkt der Band ist Sänger und Gitarrist Dave Kincaid. Er besitzt diese kraftvolle "Edelreibeisenstimme", die in ihrer Färbung im Kosmos von Roger McGuinn, John Fogerty und Paul Weller kreist. Gleichzeitig ist er ein virtuoser Instrumentalist, der sowohl filigrane oder spacige Begleitungen zaubert, als auch schnelle präzise Soli in verschiedenen Soundvariationen zu Gehör bringt. Bei einigen Songs greift er auch zur akustischen Mandoline. Besonders hier werden dann irische Einflüsse deutlich. Diese Ausrichtung auf eine Person hat allerdings Nachteile. Die Mitmusiker wagen es kaum, individuelle Akzente zu setzen. Gegen Ende seines Programms wird das Quartett noch einmal hörbar lockerer. Hier finden sich dann auch längere Instrumentalpassagen, die zuvor nicht vorhanden waren

Danke Christian!

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Es gibt Veröffentlichungen, die werden richtiggehend herbeigesehnt. Dies ist eine dieser seltenen Spezies. The Brandos, Kultgruppe aus New York, die in der Vergangenheit bereits mit Alben der Extraklasse glänzten, präsentieren nach 8 Jahren Abstinenz ihr neuestes Werk - erstmals beim deutschen Blue Rose Records-Label.

Bereits mit den ersten Klängen des Titelsongs "Over The Border" eröffnen sich fantastische Melodienlandschaften. Eine akustische Gitarre sorgt bereits nach wenigen Takten für mexikanisches Feeling und wird eingerahmt von einer elektrischen Gitarre, auf die perfekt eingestimmt, die Stimme von Dave Kincaid folgt. Klagend, fast filigran ertönt eine Melodie, die sofort an Westernfilme erinnert und die Glanz und Elend des mexikanischen Volkes widerspiegelt. Rau, kehlig und doch einfühlsam zaubert dieser Track Bilder in magischer Schönheit.

Eingetaucht in diese Welt macht "Walking Home" einen Szenenwechsel in rockigere Gefilde. Druckvoll und metallisch rein, setzt die Gitarre Melodien frei, die, wie könnte es anders sein, durch perfekte Arrangements glänzen. Vollendete Refrains, mal süß, dann wieder scharf wie Tequila, setzen Akzente für Liebhaber gut gewürzten Roots Rocks. Wie am Fließband reiht sich ein Höhepunkt an den nächsten. "The Only Love I Can Get" kommt schleppend und schwer. Die Drumsequenzen sind exakt wie die Kolbenhübe eines V8 Zylinders. Kein Geringerer als Simon Kirke, Schlagwerker der Rocklegenden Free und Bad Company, setzt hier wahre Drumeruptionen frei. Die Gitarren mahlen im Hintergrund, Töne werden extrahiert und im Breitwandsound sorgsam sortiert, leicht funkig mit Vocals, heiß wie ein Durchlauferhitzer.

Bei "She's The One" stehen die Signale ebenfalls auf Rock. Breitbeinig knallen die Gitarren, perfekte Backgroundchöre formen einen Klassiker. Erinnerungen an Velvet Underground kommen hoch, jedoch noch fetter und intensiver. Dieser Track krallt sich fest in der virtuellen Bestenliste des Zuhörers. Ein Megaohrwurm, der mit Elan die komplette Bay Area hinabrockt.

The Brandos haben es schon immer verstanden, Rockperlen erster Güte zu züchten. Balladen, Stampfer sowie Traditionelles zerfließen zu einem Kunstwerk eigenen Stils. "The Triangle Fire" ist so eines. Balladesk mit irischen Wurzeln, Geschmack von Single Malt liegt in der Luft, Kincaid zaubert Gefühle von zerbrechlicher Anmut. Die ganze Vergangenheit irischer Einwanderer verpackt in einen Song von elegischer Grandezza.

Quicksilver Messenger Service wird mit "Dino's Song" wieder zum Leben erweckt. Groovig signalisieren die fließenden, auf Hall gestimmten Gitarrenläufe hippieskes Feeling. Hier wird aus dem reichhaltigen Rockbackkatalog ein neuer Klassiker geformt. Rock mit Surfappeal im hier und jetzt, modern und eingängig.

Mit "Merrily Kissed The Quaker" wird ein Instrumentaltrack auf irischer Folkbasis präsentiert. Dudelsäcke und Shanty Gesang lassen irische Historie entstehen. Perfekte Gitarrenarbeit veredelt das Bürgerkriegs-Traditional "The New York Volunteer" in zeitgemäßer Form. Mandolinen und Gitarren vereinen sich zum Tanz durch die Jahrhunderte.

"He's Waiting" zollt den längst vergessenen Sonics verspätet den fälligen Tribut. Schnörkelloser Gitarrenrock: Rollend und kraftvoll wird drauflos gerockt. Hier zeigt der Sänger seine Standfestigkeit in allen Facetten des Rock. "Let It Go" kommt rau und melodisch und überzeugt mit wechselnden Harmoniegesängen in hoher emotionaler Tiefe. Druckvoll agiert das Schlagzeug und lässt einen Uptempo-Rocker ohne Klischee entstehen. Gitarrensoli kommen grandios verzerrt mit einer Intensität hart an der Grenze zur Dissonanz.

Reduziert auf das Wesentliche und in Originalsprache endet das Album mit "Guantanamera", das in dieser Interpretation Wehmut und Sentimentalität in unnachahmlicher Form vereint. Die Kakteen werden blutrot in der untergehenden Abendsonne und glutäugige Senoritas werfen verheißungsvolle Blicke. Ein Showdown der Gefühle übermitteln uns The Brandos mit "Over The Border". Emotional und auf höchstem Niveau produziert, reißt uns dieses Album in einen Looping der Gefühle. Ein akustischer Glanzpunkt reiht sich an den anderen und macht dieses Werk mit Sicherheit zu einem Referenzalbum in diesem Genre.

Viva Brandos, die Zukunft gehört euch. Die gerade angelaufene Tour ist jedem nur ans Herz zu legen!

Jürgen B. Volkmar
Gefunden bei: www.rocktimes.de

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„Over The Border“ von „The Brandos“
Keine Grenzen von Irland bis Mexiko WÜSTEN-ROCK ist nur eine Gangart der „Brandos“.

Over The Border: der Titel dieses Albums wird Americana-Fans sofort an einen Hit der Band „Alabama“ erinnern: „Across The Borderline“ hieß 1990 eine herrliche Ode an die Selbstjustiz an der Grenze zu Mexiko, „wo ein Sheriffstern keinen Zehner wert ist“. Hohe Erwartungen also, die zumindest das von Ober-„Brando“ David Kincaid geschriebene Titelstück in vollem Umfang erfüllt. Fans der 1986 in New York City gegründeten Indie-Rockband mussten seit deren letztem Studioalbum „Nowhere Zone“ acht Jahre auf ein erneutes Lebenszeichen warten. Heute erscheint (bei Blue Rose Records) ein neues Werk mit zehn Stücken und knapp 44 Minuten Spielzeit, fast ein bisschen spät für die bereits seit Anfang Dezember laufende Europatournee.

Auf dem Album erscheint der Sound der 1996 neu formierten „Brandos“ freilich überwiegend rockig, auch wenn sie sich hier ins Grenzland zwischen Texas und Mexiko begeben. Über scharfkantigen Bergketten aus ruppiger Gitarre, Bass (Ernie Medillo) und Schlagzeug (Frank Funaro) wallen Andy Burtons Orgelwolken wie begütigende Nebel, immer wieder zucken wieselflinke Soli auf wie Wetterleuchten, im Wechsel von spanischer, verzerrter wie auch glasklarer elektrischer Gitarre, Dave Kincaids flirrender Mandoline. Dazu erzählen die jubilierenden Stimmen von Kincaid und Mendillo vom Land des endlosen Cactus, von den „hermanos y hermanas“, Brüdern und Schwestern, und den alten Legenden, die der abuelito, der Großvater erzählte. Auf dem Cover türmen sich die charakteristischen Säulenkakteen, im Beiheft dankt Kincaid seiner „familia mexicana“.

Auch „Walking Home“ besingt den Heimweg nach Mexiko – nicht notwendig zu Fuss, auf der Interstate 5 (die freilich nicht von New York, sondern entlang der Pazifikküste immerhin nach Baja California führt) tut es auch der Pickup Truck. Bei „The Only Love I Can Get“ wird der Gesang noch rauer, die Rhythmik noch unruhiger, die Stimmung noch bedrohlicher,sie bricht in einem kurzen, schrägen Akkord und einem Break – wie eine wilde Melange aus mild-harmonischem Westcoast- und rustikal-erdigem Southern-Rock. Dieses breite stilistische Spektrum lassen die „Brandos“ gerne nach allen Seiten ausfransen. „She’s The One“ und „Dino’s Song“ etwa erinnern an Merseybeat der Sechziger – die Gitarre mit cleanem Sound und schrillen Vibratoeinsätzen könnte von den „Spotnicks“ stammen.

Dann wieder mutieren die „Brandos“ urplötzlich zu Irish Folk-Rockern. Bei dem deftig daherstapfenden Set „Merrily Kissed The Quaker/The New York Volunteer“ fühlt man sich an die „Chieftains“ erinnert. Es wird angeführt von dem flinken Quäken der Uillean Pipes. Dieser (hier von Jerry O’Sullivan gespielte) irische Cousin der schottischen Highland Pipes wird nicht geblasen, sondern gepumpt – mit einem Blasebalg unter dem Ellenbogen, und seine klappenbewehrten Pfeifen lassen leichtfüßige Melodiefolgen zu.

In kernigem Gesang zu sanftem Folkgitarrenpicking nimmt Kincaid in „The Triangle Fire“ die Rolle eines irischen Einwanderers von 1909 an, der miterleben muss, wie seine Frau beim Brand einer New Yorker Hemdenfabrik umkommt – die Bosse hatten die Näherinnen hinter verschlossenen Tüten buchstäblich bis in den Tod ausgebeutet. Doch ebenso unvermittelt schwenken die „Brandos“ wieder in deftigen Rock ab mit „He’s Waiting“.

gefunden bei www.echo-online.de

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Neue CDs in 01/2007

Das lange Warten hat ein Ende. So still war es um Dave Kincaid und seine Brandos geworden, dass man mutmaßen musste, sie hätten endgültig das Zeitliche gesegnet. Schließlich war ihr letztes Studioalbum 1998 erschienen. Doch Totgeglaubte leben länger.

Mit einem Intro, das eines Italowesterns würdig wäre, startet "Over The Border". Statt dem einsamen Rächer betritt Dave Kincaid mit kraftstrotzender Stimme die Szenerie, die Gitarren verdichten sich zum Formationsritt und münden in einen mit Pathos geladenen Refrain.

Manchen mag diese Art zu Musizieren altmodisch und überholt erscheinen. Wobei Kincaid, der viele Themen seiner Songs in der amerikanischen Geschichte und der ihrer Einwanderer findet, gegen den Begriff altmodisch wohl wenig einzuwenden hätte. Überholt ist die spezielle Art der Brandos, Folkmotive mit Twanggitarren, mehrstimmigen hymnischen Refrains, klassischem Rock’n’Roll zu einer mitreißend explosiven Mischung zu formen, ganz und gar nicht. Jetzt, nachdem sie wieder da sind, wissen wir erst, was uns gefehlt hat.

Uwe Hopf
gefunden bei: www.stuttgarter-zeitung.de

RADIO EINS RBB - CD der Woche vom 25.12. bis 31.12.2006

Den Brandos eilt der Ruf voraus, einer der besten Live-Rockbands aus den USA zu sein. Kurioserweise hat sich die Kapelle diese Meriten nicht in ihrer Heimat, sondern im „good ol’ europe“ verdient. The Brandos tourten in den 80ern und 90ern intensiv durch hiesige Breiten und haben sich im Laufe der Jahre eine eingefleischte Fangemeinde erspielt, die mit der Band durch Dick und Dünn geht.

Seit der Gründung im Jahre 1985 hatte die Formation um Sänger und Gitarrist Dave Kincaid diesen Beistand auch bitter nötig, ist ihre Geschichte doch geprägt von Line-Up-Wechseln sowie Streitigkeiten mit Plattenfirmen, die allesamt verhinderten, dass ihre Karriere so richtig in’s Rollen kam. Es spricht für die Jungs, dass sie trotzdem durchgehalten und nun mit „Over The Border“ ihr erstes reguläres Album seit acht Jahren herausgebracht haben. Und The Brandos knüpfen da an, wo sie 1998 mit „Nowhere Zone“ aufgehört haben. Noch immer widmen sie sich knackigem Bluesrock, in dem sich wohldosiert (irischer) Folk, Country und neuerdings auch ein Hauch von Salsa tummeln. Die in der Bandhistorie immer wieder zitierten Vergleiche mit REM und Creedence Clearwater Revival kann man getrost so stehen lassen, zumal Dave Kincaids eindrucksvolles Organ wirklich wie eine Mischung aus Michael Stipe, John Fogerty und Cat Stevens klingt. Dazu gesellen sich erdige Riffs, sattes Schlagzeugspiel und lässige Basslinien, für die sich nicht nur jeder Trucker, sondern auch alle anderen Freunde des klassischen Rock begeistern dürften. Yeeha!

gefunden bei www.radioeins.de