Los Brandos

Blue Rose Records - 2017

Tracklist

  1. Señor Coyote
  2. Querer a Los Niños
  3. Suffer in Silence
  4. Woodstock Guitar
  5. Jacinto Chiclana
  6. Maligna Presencia
  7. What Kind of a World
  8. Bella Encantadora
  9. These Troubled Times
  10. A Todo Dar

Cover Art

Dave Kincaid (voc, g, banjo, mandolin, b, keys programming), Tommy Goss (dr), Frank Giordano (g, voc), Marta Gomez (voc on Jacinto Chiclana)
Produced and Arranged by Dave Kincaid

Reviews

WEB-FUNDSTÜCKE

Satte elf (!!) Jahre nach dem letzten Studioalbum der New Yorker Rockband The Brandos erlöst Dave Kincaid die dürstende Fan-Gemeinde mit einer neuen Scheibe. Waren bei den ersten fünf Alben noch vermehrt Einflüsse aus dem Irish Folk tonangebend, änderte sich dieser Umstand mit genanntem Vorgänger "Over The Border" 2006 grundlegend, denn diese Platte tendierte stark in Richtung Tex Mex. Vielleicht hatte Kincaid das Thema irland für sich abgearbeitet, schließlich veröffentlichte er 1998 und 2001 noch zwei Soloalben, die reinen Irish Folk enthielten und textlich die Unabhängigkeitskriege thematisierten, als die USA von irischen Einwanderern unterstützt wurden, den sogenannten Irish Volunteers! Mittlerweile sind diese beiden Scheiben gesuchte Raritäten, das aber nur am Rande.

Jedenfalls ist das neue Brandos Scheibchen eine logische Fortführung von "Over The Border", das sogar fünf Songs enthält, die in spanischer Sprache gesungen werden. Meiner Meinung nach braucht "Los Brandos" ein paar Durchgänge mehr um zu zünden, wenn sich auch an dieser großartigen, ja einzigartigen Stimme Kincaids nicht geändert hat. Auch thematisch ist es eine Art Fortsetzung, Kincaid setzt sich vermehrt mit der Ausbeutung der Azteken in Mexiko auseinander, weshalb die Folk Einflüsse und die spanischen Texte nur konsequent sind. Auch beim Cover wird das dokumentiert, denn es handelt sich um ein Gemälde eines mexikanischen Künstlers, das einen aztekischen Adlerkrieger zeigt. Ein Thema bei den Fans ist ja immer die Besetzung, doch auch diesmal ist sein Freund und Helfer bei der Produktion Frank Gordano wieder mit an Bord, bei der zur Zeit stattfindenen Tour übrigens ebenso. "Los Brandos" ist größtenteils ein rockiges Album geworden, das insgesamt zehn neue Songs bietet.

Die Band ist vom ersten Ton an einwandfrei zu identifizieren, man hat halt seit 1987 den unverkennbaren, eigenen Stil gebildet. Und genau wie früher die irischen Einflüsse passen meiner Meinung nach die Tex Mex Folk-Sounds sehr gut zur Gruppe, was auch für die spanischen Texte gilt. Gänsehaut erzeugt die Ballade "Jacinto Chiclana", die Dave zusammen mit einer mir unbekannten Sängerin (Anm. NoZo: Marta Gomez) zum Besten gibt. Mit "What Kind Of A World" befindet sich lediglich ein zweites sehr ruhiges, nur mit Akustikgitarre begleitetes Lied auf der Platte. Der Rest ist wie gesagt flotte melodische und für diese Band typische Rockmusik. Die Gute Laune- Abschlussnummer "A Todo Dar" würde man gut und gerne mit ein paar Gläsern Tequila begießen.

Review vom 01.06.2017
geschrieben von Peter Hollecker
Gefunden bei: www.myrevelations.de

WEB-FUNDSTÜCKE

Der Titel „Los Brandos“ deutet schon an, wohin die Reise geht: in den Süden, denn es fällt sofort auf, dass mehr als die Hälfte der Songs in spanischer Sprache gesungen sind. Aber, um es vorweg zu nehmen, am Stil hat sich nichts geändert. Vielseitig, geradlinig, kraftvoll, melodisch und klug strukturiert marschieren die Songs daher. Zwei straighte Rocker bester Tradition eröffnen das Album: „Senor Coyote“ mit einem brandaktuellem Thema: Schlepper schleusen für viel Geld Mexikaner in die USA. „Querer A Los Ninos“ behandelt Kindesmissbrauch in jeder Form und in jedem Land. Die Rockhymne „Suffer In Silence“ beeindruckt neben der wie immer ausdrucksstarken Röhre des Meisters mit bester Gitarrenarbeit. Akustisch und balladesk wird „Woodstock Guitar“ eingeleitet, um bei den Refrains in ein elektrisches Gewitter überzuleiten, dazwischen und beim Ausklang wieder leise und langsam. Großes Kino!

„Jacinto Chiclana“ ist ein romantisches Liebeslied von Astor Piazzola, unterlegt lediglich von spanischen Gitarren und Geigen. David Kincaid singt im Duett mit einer gewissen Marta Gomez, die über eine wunderschöne Stimme verfügt, die sich sehr interessant mit den krächzenden Vocals Kincaids ergänzt. Spanisch und rockig geht’s mit „Maligna Presencia“ weiter, eine Hymne wie zu den besten Zeiten der Band, aber halt auf spanisch.

Der typische Folksong darf natürlich auf keinem BRANDOS Album fehlen: „What Kind Of A World“, sehr sparsam instrumentiert, aber sehr eindrucksvoll! „Bella Encantadora“ ist wieder elektrisch und nur leicht im Tempo etwas schneller mit schönen Melodiebögen. „These Troubled Time“ ist ein dynamischer Song, der nahtlos an die Klassiker der frühen Jahre anschließt. „A Todo Dar“, ein Latino Hit von 1955, komponiert von Ignacio Jaime (ich kenne ihn natürlich nicht), ist ein Rausschmeißer im wahrsten Sinn. Ein fröhlicher, lauter Stampfer, der textlich im Kontrast zu den eher sonst düsteren Themen steht.  

Was bleibt unterm Strich? Ich habe mich bald an die spanische Sprache gewöhnt, es hat, verbunden mit der ausdrucksstarken Stimme Kincaids gewisse Reize, daher mein Fazit: Für Fans ein Muss, für Anfänger seien die ersten Alben oder die gelungene Best Of Scheibe „Contribution“ empfohlen.

Review vom 15.06.2017
geschrieben von Wolfgang Kelz
Bewertung: 4.5 / 5.0
Gefunden bei: www.stormbringer.at