The Brandos

The Brandos gehören zu den markanten amerikanischen Rockbands der 1980er- und 1990er-Jahre. Die aus New York stammende Band verbindet Rock, Roots Rock und Americana mit Einflüssen aus Folk und traditioneller amerikanischer Musik.

Gegründet wurde die Gruppe Mitte der 1980er-Jahre. Mit ihrem eigenständigen Sound, mehrstimmigem Gesang und kraftvollen Gitarrenarrangements erspielten sich The Brandos auch in Europa eine treue Fangemeinde.

Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählen Honor Among Thieves, Gunfire at Midnight, The Light of Day und Pass the Hat. Die Bandgeschichte ist von wechselnden Besetzungen, zahlreichen Konzerten und einer langjährigen Verbindung zu ihrem europäischen Publikum geprägt.

Founding Members

Dave Kincaid

Vocals · Guitar

Ed Rupprecht

Gutitar · Vocals

Ernie Mendillo

Bass · Vocals

Larry Mason

Drums · Vocals

Fotos: Thomas Stolper †

The Story of The Brandos

The Beginning (1985-1986)

Die Geschichte von The Brandos beginnt nicht in New York, sondern an zwei unterschiedlichen Orten an der amerikanischen Ost- und Westküste. Im Herbst 1984 spielten Dave Kincaid und Larry Mason gemeinsam in der Band The Allies in Seattle. Die Gruppe gehörte zu den aktivsten Bands der dortigen Musikszene, hatte mit „Emma Peel“ einen lokalen Radiohit erzielt und war regelmäßig im Nordwesten der USA bis hinauf nach Kanada unterwegs. Zur gleichen Zeit machte eine Band namens Soul Attack in New Jersey auf sich aufmerksam. Zu ihren Mitgliedern gehörten der Bassist Ernie Mendillo und der Gitarrist Ed Rupprecht.

Anfang 1985 entschloss sich Dave Kincaid, Seattle zu verlassen und nach New York zu ziehen. Er sah dort bessere Möglichkeiten, musikalisch neue Wege zu gehen und eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Über eine Anzeige in der Musikzeitschrift „Village Voice“ wurde er auf Soul Attack aufmerksam, die gerade einen neuen Sänger und Songschreiber suchte. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass Kincaid, Mendillo und Rupprecht musikalisch hervorragend zusammenpassten. Gemeinsam beschlossen sie, einen Neuanfang zu wagen: mit neuen Songs, einem neuen Namen und einer veränderten musikalischen Ausrichtung.

Im Sommer 1985 entstanden in Kincaids Appartement in Brooklyn die ersten gemeinsamen Aufnahmen. Mit einem einfachen Vierspur-Kassettendeck und zunächst einer Drum-Machine entwickelten die drei Musiker ihr neues Material. Einige Songs stammten noch aus Kincaids Zeit bei den Allies, andere waren eigens für das neue Projekt geschrieben worden. Dazu gehörte auch „Hard Luck Runner“. Aus den unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen entwickelte sich nach und nach ein eigenständiger Sound, der die Energie des New Yorker Rock mit den Einflüssen der Westküste verband.

Auch der Bandname hat eine kleine Vorgeschichte. Ernie Mendillo und Ed Rupprecht hatten während ihrer Zeit bei Soul Attack gelegentlich als vermeintliche Vorgruppe gespielt. Dazu verkleideten sie sich und präsentierten ältere Coverversionen aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Diese Spaß-Band nannten sie The Brandos – eine Anspielung auf den Schauspieler Marlon Brando und dessen Film „The Wild One“. Der Name gefiel den Musikern so gut, dass sie ihn für ihr neues Projekt übernahmen.

Mit Larry Mason, der zuvor bereits mit Kincaid bei The Allies gespielt hatte und Anfang 1986 nach New York zog, war schließlich die ursprüngliche Viererbesetzung komplett. Im Februar 1986 absolvierte die Band ihren ersten gemeinsamen Live-Auftritt.

Honor Among Thieves & Trial By Fire (1987–1991)

Fotos: The Brandos, Mick Rock

In den folgenden Monaten erspielten sich The Brandos mit zahlreichen Auftritten in den Clubs von New York City einen Namen. Zu ihren damaligen Spielstätten gehörten unter anderem das legendäre CBGB, Tramps und The Bitter End. Bereits im Herbst 1986 begannen die Aufnahmen zum ersten Album. Die Musiker finanzierten die Produktion zunächst mit geliehenem Geld aus dem persönlichen Umfeld. Im Februar 1987 wurde schließlich der Plattenvertrag mit Relativity Records unterzeichnet. Im selben Jahr erschien das Debütalbum „Honor Among Thieves“. Besonders der Song „Gettysburg“ fand große Beachtung. Das dazugehörige Video wurde regelmäßig bei MTV ausgestrahlt, und auch die Musikpresse wurde auf die Band aufmerksam. Neben positiven Besprechungen im „Rolling Stone“ und im „Time Magazine“ erhielt Dave Kincaid 1988 bei den New York Music Awards die Auszeichnung als bester männlicher Sänger eines Independent-Labels.

Der vielversprechende Start wurde allerdings schon bald durch Schwierigkeiten im Musikgeschäft überschattet. Auf Empfehlung ihres Managements verließen The Brandos 1988 ihre bisherige Plattenfirma Relativity Records und wechselten zu Geffen Records. Daraus entwickelten sich langwierige rechtliche Auseinandersetzungen, die letztlich in einem weiteren Wechsel zu RCA Records mündeten.

1989 begannen die Arbeiten am zweiten Album, das den Titel „Trial By Fire“ tragen sollte. Die Produktion zog sich über eineinhalb Jahre hin. Als die Aufnahmen im Sommer 1990 schließlich abgeschlossen waren, hatte RCA jedoch einen neuen Präsidenten, der zahlreiche Künstler aus dem Programm des Labels entfernte. Auch The Brandos waren davon betroffen. Trotz weiterer Bemühungen konnte kein neuer Plattenvertrag für das fertige Album gefunden werden. Anfang 1991 wurde klar, dass „Trial By Fire“ zunächst unveröffentlicht bleiben würde. Für die Band bedeutete dies einen erheblichen Rückschlag, zugleich aber auch den Anstoß, musikalisch und geschäftlich noch einmal von vorn zu beginnen.

Gunfire At Midnight & The Light Of Day (1992–1995)

Fotos: The Brandos, Mick Rock

Mit großer Beharrlichkeit arbeiteten The Brandos an neuem Material. 1992 erschien schließlich „Gunfire At Midnight“ bei SPV Records in Deutschland. Das Album markierte einen wichtigen Neubeginn und bildete die Grundlage für ausgedehnte Tourneen durch Europa. Gerade in Deutschland und den Niederlanden entwickelte sich eine stetig wachsende Fangemeinde.

Allerdings blieb die Besetzung nicht unverändert: 1993 entschieden sich Ed Rupprecht und Larry Mason, das Rockgeschäft zu verlassen. Dave Kincaid und Ernie Mendillo machten weiter und holten für die folgenden Produktionen befreundete Musiker hinzu. Zu ihnen gehörten Scott Kempner († 2023) und Frank Funaro, beide ehemalige Mitglieder der Del-Lords.

Mit „The Light Of Day“ erschien 1994 ein weiteres Studioalbum, auf dem die Band ihre musikalischen Einflüsse noch stärker ausweitete. Neben dem gewohnten Rock fanden sich zunehmend Elemente aus amerikanischer und irischer Folk-Musik. Diese Richtung kam auch bei den Live-Auftritten hervorragend an. Die anschließende Tournee wurde im Dezember 1994 in Amsterdam für das Live-Album „In Exile – Live“ mitgeschnitten, das 1995 veröffentlicht wurde. Die Aufnahme vermittelt bis heute einen Eindruck von der besonderen Energie, mit der The Brandos ihr Publikum auf der Bühne begeisterten.

Pass The Hat & Nowhere Zone (1996–1999)

Fotos: The Brandos, Mick Rock, Jaap Hoek

1996 kehrte die Band mit „Pass The Hat“ zu einem direkteren, gitarrenbetonten Rocksound zurück. Gleichzeitig wurde die Besetzung durch Frank Giordano verstärkt, dessen Gitarren- und Gesangsbeiträge den Sound der Gruppe wesentlich erweiterten. Eine Besonderheit des Albums war die Wiederaufnahme von vier Titeln aus dem lange unveröffentlichten „Trial By Fire“. Damit erhielten zumindest Teile der seinerzeit gescheiterten Produktion eine zweite Chance.

Nach einer kurzen Pause und der Arbeit an Kincaids Soloalbum „The Irish Volunteer“ ging es 1997 wieder auf Europatournee. Mit Frank Giordano und Schlagzeuger Tom Goss nahm die Band anschließend das Album „Nowhere Zone“ auf, das 1998 erschien. Es war in besonderem Maße ein Album für die langjährigen Fans: Neben neuen Aufnahmen enthielt es Songs, die The Brandos bereits seit Jahren live gespielt, aber zuvor nie veröffentlicht hatten. Außerdem wurden die verbliebenen sechs Titel aus den Aufnahmen zu „Trial By Fire“ neu eingespielt. Damit schloss sich ein langes Kapitel der Bandgeschichte.

Auch die folgenden Jahre standen im Zeichen ausgedehnter Konzertreisen. Bei den Europatourneen 1998 und 1999 wurde die Band unter anderem von Schlagzeuger Tom Engels unterstützt. 1999 erschien mit „Contribution – The Best Of 1985–1999“ eine Zusammenstellung, die die erste Phase der Bandgeschichte dokumentierte. Im selben Jahr wurde auch der Auftritt beim Loreley-Festival als „Live At Loreley“ veröffentlicht.

The Return (2006–2018)

Fotos: Ultra Sound, Hans-Georg Krumm, Peter Förster †

Nach dieser intensiven ersten Schaffensperiode wurde es zunächst ruhiger um The Brandos. Erst Ende 2006 meldete sich die Band mit dem Album „Over The Border“ eindrucksvoll zurück. Die Veröffentlichung bei Blue Rose Records zeigte, dass Dave Kincaid und seine Mitstreiter ihren unverwechselbaren Stil weiterentwickelt hatten. Neben kraftvollem Rock fanden sich erneut Einflüsse aus Irish Folk und Tex-Mex. Die Rückkehr wurde von Tourneen durch Europa begleitet und von den Fans begeistert aufgenommen.

Ein weiteres Zeugnis der besonderen Live-Qualitäten erschien 2008 mit „Town To Town, Sun To Sun“. Das umfangreiche Paket aus Doppel-CD und DVD dokumentiert die Konzerte der Tournee von 2007. Auch 2010 gab es eine besondere Veröffentlichung: Unter dem Titel „Songs Of The Irish Volunteers – Live In Europe“ erschienen Aufnahmen der bereits 2004 gemeinsam mit Kincaids Solo-Projekt absolvierten Irish Tour.

Nach einer längeren Veröffentlichungspause kehrten The Brandos 2017 mit „Los Brandos“ zurück. Das Album knüpfte musikalisch an „Over The Border“ an, schlug zugleich aber neue Wege ein. Die zehn Titel verbinden den bekannten, kraftvollen Brandos-Rock mit mexikanischen Einflüssen; ein Teil der Songs wird auf Spanisch gesungen.

Auch Frank Giordano kehrte für die Aufnahmen zur Band zurück. Eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland und die Niederlande führte The Brandos im Sommer 2017 erneut auf europäische Bühnen, darunter auch zum Sweden Rock Festival.

Auch 2018 setzte die Band ihre Europatournee fort. Damit blieben The Brandos nach der Veröffentlichung von „Los Brandos“ weiter live präsent.

Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg haben The Brandos damit eine bemerkenswerte musikalische Entwicklung durchlaufen. Besetzungswechsel, Rückschläge im Musikgeschäft und längere Pausen konnten die Band nicht dauerhaft aufhalten. Geblieben sind die markante Stimme Dave Kincaids, der unverwechselbare Gitarrensound und eine große Leidenschaft für handgemachte Rockmusik – sowie eine außergewöhnlich enge Verbindung zu ihrem europäischen Publikum.